Großartig und beeindruckend
Gedenkfeiern zum 100. Todestag von P. Brisson in Troyes
Als der französische Priester Louis Brisson am 2. Februar 1908 starb, waren die von ihm gegründeten Oblatinnen und Oblaten des hl. Franz von Sales in Frankreich gesetzlich verboten und zum größten Teil in alle Welt zerstreut. Alles, was Louis Brisson in Frankreich aufgebaut hatte, seine Ordensgemeinschaften, seine Jugendheime und Schulen, alles, worauf er seine ganze Kraft und Energie verwendete, war vom Staat aufgehoben, aufgelöst, enteignet, zerstört. Das Haus seiner Großeltern in Plancy, in dem er starb, gehörte ihm ebenso nicht mehr. Die französische Regierung entschied, dass es kein Familienbesitz ist, sondern der Besitz einer Ordensgemeinschaft, die enteignet gehört, und ließ es daher öffentlich versteigern.
Aufgrund dieser politischen Verfolgung war es den Oblatinnen und Oblaten des hl. Franz von Sales nicht erlaubt, bei den Beerdigungsfeierlichkeiten in irgendeiner Weise offiziell in Erscheinung zu treffen. Beim Requiem in Brissons Geburts- und Sterbeort in Plancy und in der Kathedrale von Troyes sowie bei der Beerdigung am Friedhof St. Andrè nahmen sie nur als einfache Trauergäste in zivil teil.
Aus aller Welt
100 Jahre später hatte man den Eindruck, dass die Oblatinnen und Oblaten nun alles nachholen wollten, was sie damals nicht durften. Die Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Todestag von Louis Brisson vom 2. bis 5. Februar 2008 waren großartig und ein sehr beeindruckendes Zeichen dafür, dass das Werk, das Louis Brisson gegründet hatte, auch hundert Jahre später immer noch lebendig ist. Etwa 100 Oblatinnen und Oblaten aus aller Welt – Frankreich, Österreich, Italien, Schweiz, Niederlande, USA, Ecuador, Kolumbien, Brasilien, Namibia, Südafrika, Benin und Indien – versammelten sich in der Hauptstadt der Champagne bei Paris, um ihres Gründers zu gedenken.
Das Fest begann am Todestag selbst, am Samstag, den 2. Februar 2008, in Plancy. Zur Todesstunde (10.34 Uhr) hielten die beiden Ordensgemeinschaften in der Pfarrkirche, in der Louis Brisson getauft wurde, seine Erstkommunion empfing und seine Erste Heilige Messe feierte, eine Gedenkstunde ab. Gleich zu Beginn wurden Schneeglöckchen vor sein Bild gestellt. Als Louis Brisson um seine Mutter trauerte, waren ihm diese ersten Blumen nach dem Winter ein besonderes Zeichen des Trostes und der Erinnerung. Jede Oblatin und jeder Oblate wurden zudem eingeladen, eine Kerze in seinem Anliegen zu entzünden und an den Altar zu stellen. Am Nachmittag fand ein feierliches Hochamt mit dem Bischof von Troyes, Marc-Camille-Michel Stenger, statt (weitere Fotos >>>hier...).
Am Sonntag, den 3. Februar 2008, trafen sich die Ordensgemeinschaften in der Kathedrale von Troyes, um ein weiteres Hochamt zu Ehren von Louis Brisson zu feiern – wiederum zusammen mit dem Bischof. Die eisige Kälte, die in der Kathedrale herrschte, erinnerte die Versammelten ein wenig an die Priesterweihe ihres Ordensgründers, bei der auch sibirische Temperaturen herrschten. Nach der Eucharistiefeier besuchten sie das Grab von Louis Brisson in der Krypta St. Gille im Mutterhaus der Oblatinnen sowie das Museum, in dem die Oblatinnen eine Fülle an Erinnerungsstücken von Louis Brisson gesammelt haben (weitere Fotos >>>hier...).

Am Montag, den 4. Februar 2008, fand die Festmesse im Heimsuchungskloster von Troyes statt, wo Louis Brisson 40 Jahre lang als Spiritual wirkte und die Ordensgründungen ihren Ausgang nahmen, nachdem er dort die Oberin Marie de Sales Chappuis OVM kennen lernte und ihr Drängen zur Ordensgründung durch eine Christuserscheinung untermauert wurde. Bischof Stenger stand wiederum der Messe vor (weitere Fotos >>>hier...).
Am Dienstag, den 5. Februar 2008, wurden die Feierlichkeiten in St. Bernard, in der Schule der Oblaten des hl. Franz von Sales, abgeschlossen. Es ist zwar nicht mehr das ursprüngliche Gebäude des ersten Werkes der Sales-Oblaten, dennoch ist es ein Ort, der an den Beginn des Wirkens der Oblaten erinnert. Anwesend war auch da wiederum Bischof Stenger, der nach der Messe den neu gestalteten Pausenhof und eine neue Cafeteria der Schule einweihte (weitere Fotos >>>hier...).
Oblatinnen und Oblaten
Zwischen den liturgischen Feierlichkeiten und Besichtigungen trafen sich Oblatinnen und Oblaten, um in Gesprächen und Vorträgen mehr über ihren Ordensgründer zu erfahren. Unter anderem wurde die neue Biografie über Louis Brisson von P. Dirk Koster OSFS aus den Niederlanden präsentiert, die anlässlich des 100. Todestages in sechs Sprachen (niederländisch, französisch, englisch, deutsch, spanisch und portugiesisch) erschienen ist. Die deutsche Ausgabe dieser Biografie kann im Franz Sales Verlag zum Preis von 12.- EUR bestellt werden (weitere Fotos >>>hier...).
P. Roger Balducelli OSFS, ehemaliger Generaloberer der Sales-Oblaten und ausgewiesener Brisson-Kenner, sprach über die Entwicklung P. Louis Brissons von seiner Priesterberufung zur Ordensberufung. P. Lewis Fiorelli, ebenso ehemaliger Generaloberer und jetziger Koordinationsleiter aller Ausbildungsverantwortlichen in der Kongregation, sprach über die heutige Bedeutung des „Geistlichen Direktoriums“, eine Art Tagesprogramm des geistlichen Lebens, das der hl. Franz von Sales seinen Heimsuchungsschwestern schrieb und als Kernprogramm ihres Ordenslebens von den Oblatinnen und Oblaten übernommen wurde. P. Michel Tournade OSFS, der Provinzial der französischen Provinz der Salesoblaten, referierte schließlich über wesentliche Elemente der Pädagogik bei Franz von Sales und Louis Brisson.
Besonders hervorzuheben ist ein Treffen der Oblatinnen und Oblaten, das am 5. Februar in der sogenannten „Tuilerie“ stattfand. Das ehemalige Gelände einer Ziegelei, das von Louis Brisson gekauft wurde und den Oblatinnen und Oblaten als Erholungs- und Exerzitienort diente, wurde nun von den Oblatinnen zu einem „geistlichen Zentrum“ umgebaut. Dort wurde in Kleingruppen über Leben und Werk von Louis Brisson diskutiert und an einen „runden Tisch“ mit Experten über Louis Brisson Fragen gestellt. Einmalig war dieses Treffen deshalb, weil es wahrscheinlich das erste Treffen von Oblatinnen und Oblaten war, in dem beide Ordensgemeinschaften miteinander und füreinander ihre gemeinsame Ordensspiritualität diskutierten und austauschten.
Der Wunsch, solche Veranstaltungen auch in Zukunft zu wiederholen, wurde später immer wieder geäußert und den beiden Generalleitern Schw. Françoise-Bernadette Beuzelin OSFS und P. Aldino Kiesel OSFS ans Herz gelegt.
Einladung zur Brisson-Novene
Das Jahr 2008 soll auf Wunsch des Generaloberen P. Aldino Kiesel und des Generalrates ein Brisson-Jahr werden. Alle Oblaten sind eingeladen, von März bis November 2008 jeden ersten Freitag im Monat eine Brisson-Novene zu seiner Seligsprechung zu halten. Die Texte dieser Novene werden im Internet auf der Seite www.louisbrisson.org zur Verfügung gestellt. Dort finden sich auch Fotos von den Gedenkfeierlichkeiten in Troyes und Plancy sowie unterschiedliches Material, das an diesen Tagen in den Vorträgen und Präsentationen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgetragen wurde.
Vor 100 Jahren waren den Oblatinnen und Oblaten des hl. Franz von Sales von staatlicher Seite die Hände gebunden, um ihres verstorbenen Gründers zu gedenken. Heute ist das nicht mehr so. Möge dieses Jahr für die Oblatinnen und Oblaten ein fruchtbares und segensreiches werden.
P. Herbert Winklehner OSFS